LANDWIRT: Das Angebot von Schule am Bauernhof hat es möglich gemacht, dass Sie Ihren Hof im Vollerwerb führen. Was hat sich seit unserem Besuch getan?
Stefan ETZELSTORFER: Auf unseren Hof kommen nach wie vor Schulklassen. Mittlerweile sind es aber rund 120 pro Jahr. Außerdem haben wir einen Hofladen eingerichtet, sodass die Besucher auch Produkte vom Hof kaufen können.
Wie sieht das Angebot aus?
Begonnen haben wir zu Corona-Zeiten, wo sehr viele einen Hofladen eröffnet haben. Er hat sich gut entwickelt, weil die Schüler auch gerne etwas mit nach Hause nehmen. Wir verkaufen Eier, Nudeln, Milchprodukte wie Topfen, Frischkäse, Joghurt, aber auch Honigprodukte, Marmeladen, Schlüsselanhänger und so weiter. Er ist rund um die Uhr geöffnet. Es ist zwar viel Arbeit, aber auch ein zusätzliches Einkommen.
Haben sich eure Besucher, also die Lehrer und Kinder, in den zehn Jahren verändert?
Am meisten haben wir die zwei Jahre nach Corona gemerkt. Da hatten die Kinder kein Leben mehr in sich, hatten verlernt etwas gemeinsam zu tun, ja sogar zu blödeln. Das hat uns damals sehr schockiert. Erst jetzt wird es wieder merklich besser. Die Kinder spielen wieder gemeinsam. Es fällt uns auf, dass viel Wissen rund um unsere Lebensmittel bereits verloren gegangen ist. Es kennen zwar viele die verschiedenen Gemüsesorten aus dem Supermarkt, aber die Jungpflanze in natura nicht. Dabei kann man nicht einmal sagen, dass es in der Stadt schlimmer ist. Meist sind es die Kinder aus Wien oder ländlichen Gebieten, die noch viel über Landwirtschaft wissen, aber generell geht hier viel verloren. Das ist wirklich schade. Meine Enkelkinder kennen sich zum Teil viel besser aus. Die Fünfjährige könnte selbst schon erklären, aber auch die Zweijährige interessiert sich sehr.
Wie geht es mit Ihrem Betrieb weiter?
Ich bin mittlerweile schon in Pension und meine Frau führt den Hof bis zu ihrer Pension weiter. Dann wird unser Sohn den Betrieb übernehmen. Er ist gelernter Heilmasseur und übt diesen Beruf auch aktiv aus. Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen. Unser Betrieb ist und bleibt auf jeden Fall vielfältig.
Zum Artikel von Familie Etzelsdorfer aus der LANDWIRT Ausgabe 18/2015

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