AckerbauBodenKalkWas steckt hinter granuliertem Kalk?

Was steckt hinter granuliertem Kalk?

Erschienen in: LANDWIRT AT 10/2021

Die Vorteile des granulierten Kalks liegen auf der Hand und sind unumstritten.
Quelle: Agrarfoto

Lange Jahre gab es in der Landwirtschaft lediglich den kohlensauren Kalk. Dann kamen Mischkalk und Branntkalk hinzu. Jetzt werden vermehrt granulierte Kalke angeboten. Dabei handelt es sich um fein vermahlene Kalke, die mithilfe eines speziellen Verfahrens granuliert werden. Es entstehen genormte Körner, die jeder Landwirt mit dem eigenen Schleuderstreuer ausbringen kann. Ein großes Plus, denn warum soll man sich mit einem schlecht eingestellten und dürftig gewarteten Schneckenstreuer rumärgern, wenn man die gleiche Arbeit mit dem hofeigenen Streuer erledigen kann. Der ist „gratis“, jederzeit verfügbar und leichter einzustellen. Nicht zuletzt, da man mit der eigenen Maschine umzugehen weiß. Somit müsste auch die Verteilung besser gelingen – speziell wenn man auch die Artikel über die Kalkverteilung in den LANDWIRT Ausgaben 11/2020 und 18/2020 bedenkt. Doch ist das wirklich so einfach?

 

Teures Granulieren

Eins ist sicher: Der granulierte Kalk ist teurer als der Feucht- oder der mahlfeine Kalk. Die Preisunterschiede sind dabei aber unterschiedlich. Mahlfeiner kohlensaurer Kalk kostet im Handel zwischen 70 und 80 Euro/t inklusive Streuer (alle Preise brutto von Mitte April, beim Landesproduktenhandel im oberösterreichischen Zentralraum). Das gleiche Produkt als Granulat hat mit gut 190–210 Euro/t beinahe den zweieinhalbfachen Preis. Die Gründe dafür sind im aufwändigen Prozess des Granulierens zu finden. Laut Martin Almhofer von der Firma Bernegger muss der Kalk mehrmals gemahlen, gesiebt, mit Wasser und einem speziellen Bindemittel (Betriebsgeheimnis) vermengt, getrocknet, nochmals gesiebt und zum Schluss noch äußerlich mit einem Mittel behandelt werden, um die Staubbildung zu verringern. Dementsprechend teurer wird das Produkt. Das Ergebnis ist dafür ein Produkt mit einer gleichmäßigen Korngröße, welches gut gestreut und laut Almhofer auch für Mischdünger verwendet werden kann.

Spezialprodukte

Neben den Standardprodukten, die man aus der Kalkung kennt – sprich Kalke mit Kalzium, Magnesium –, werden den granulierten Kalken gerne auch andere Nährstoffe wie Schwefel, Phosphor, Kalium und Spurenelemente beigemengt. Aber auch sogenannte biostimulierende Pflanzenhilfsmittel finden bei manchem Produzenten den Weg ins Granulat. Die sollen die Keimung fördern, die Jugendentwicklung verbessern, die Wurzelbildung stimulieren und die Nährstoffaufnahme verbessern. Inwieweit solche Produkte halten, was sie versprechen, konnte uns von offizieller Seite – sei es von der AGES oder den Landwirtschaftskammern – bis dato noch keiner bestätigen. Mit Preisen von gut 400 Euro/t zählen sie auch nicht gerade zu den Schnäppchen. Ob die Beimengung einen Mehrpreis von gut 200 Euro/t rechtfertigt, und ob sich der Einsatz finanziell auf die eine oder andere Weise wieder rückvergütet, bleibt wie bei den meisten Biostimulanzien unklar. Die Firma Timac Agro bietet solche Produkte an. Sie weisen auf die deutlich feinere Vermahlung ihrer Kalke hin. Dadurch sei auch die benötigte Aufwandmenge je Hektar geringer – und das selbst bei niedrigerem Kalziumgehalt. So empfehlen sie nur die Hälfte der Aufwandmenge eines gewöhnlichen kohlensauren Kalks. Eine Rechnung, die laut dem Bodenkundler Max Schmidt nicht ganz aufgehen kann: Es stimmt zwar, dass bei einer feineren Vermahlung der Kalk schneller wirkt, aber die Vermahlung ist kein Substitut für Menge. Wenn laut Bodenuntersuchung eine gewisse Menge Kalzium fehlt, hilft nur die besagte Menge Kalzium.

Mahlfeiner Kalk wirkt flächendeckend.
Quelle: Böck

Das Problem der Wirkung

Ein ackerbauliches Problem, das der granulierte Kalk mit sich bringt, ist die fehlende flächige Wirkung (LANDWIRT Ausgabe 11 und 18/2020). Gerade Kohlensaurer Kalk muss, bevor er gelöst wird, von Säuren im Boden angegriffen werden. Erst dann entfaltet er seine Wirkung. Das ist bei der flächigen Ausbringung mahlfeinen Kalks weniger ein Problem, da der Kalk im wahrsten Sinne des Wortes flächendeckend liegt. Beim granulierten Kalk liegen die Kügelchen punktförmig verteilt auf dem Feld. Das ist laut Max Schmidt aber nicht das große Problem. Die Kalkkügelchen zerfallen nach dem ersten Regen, und nach ein oder zwei Bodenbearbeitungsgängen verteilt sich der Kalk in der gesamten Krume. Die Ausnahme sowohl preislich als auch in der Wirkung stellt der Branntkalk dar. Hier ist die Ware zwar gekörnt und nicht granuliert, die Vorteile bleiben aber zum größten Teil gleich. Die gekörnte Ware ist mit einem Preisunterschied von rund 40 Euro/t um knapp ein Viertel teurer als der quasi Mahlfeine. Auch die Wirkung im Boden geht bei dieser Kalkart deutlich schneller vonstatten. Die gekörnte Ware ist auch praktisch, wenn beispielsweise vor der Saat von Frühjahrskulturen mit kleinen Mengen von rund 250 kg/ha hantiert werden soll. Solche Mengen sind mit einem Schneckenstreuer nur schwer ausbringbar. Leider hat der gekörnte Branntkalk aber auch seinen großen Nachteil: die große Staubentwicklung. Dafür gibt es bis dato leider noch keine praktikable Lösung. Eine generelle Empfehlung für oder gegen granulierte Kalke kann man jedenfalls nicht geben. Die Vorteile lassen sich so wenig von der Hand weisen wie der hohe Preis. Für kleine Düngemaßnahmen oder auf schwer befahrbaren Flächen macht es sicherlich Sinn, Granulate einzusetzen. Steht allerdings eine grobe Erhaltungskalkung mit Mengen von 1.000 kg CaO/ha und mehr an, wird sicher der Preis entscheiden.

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