Schafe und ZiegenSchafe trotz Herdenschutzzaun gerissen

Schafe trotz Herdenschutzzaun gerissen

Der Wolf kam in Navis dem verfrühten Almabtrieb leider zuvor.
Quelle: Friedrich Haubner

Im Navistal neigt sich die Almsaison dem Ende zu – früher als geplant. Die Schafe des Landwirts Armin Geir sind bereits zurück im Tal, jedoch nicht vollständig. „Wegen der Risse auf der Nebenalm haben wir beschlossen, die Tiere am Samstag abzutreiben“, berichtet der Schafbauer. Schon am Vormittag entdeckte er die ersten toten Tiere. Beim Nachsehen fand Geir mehrere Tiere mit Kehlbissen vor – ein typisches Anzeichen für einen Wolfsangriff. Die Herde sei völlig verstreut gewesen, offenbar durch den Angriff in Panik versetzt. „Wir mussten sie mühsam zusammentreiben – von allein wären sie nicht mehr gekommen. Das war ein Massaker“, berichtet der Bauer dem ORF. Vier seiner Schafe wurden tot aufgefunden, drei weitere gelten noch als vermisst. Als Verursacher gilt ein Wolf, der bereits einige Tage zuvor auf einer benachbarten Alm zugeschlagen hatte. Dort läuft seit vier Jahren ein Herdenschutzprojekt mit speziellen Elektrozäunen.

Herdenschutz gescheitert 

„So stark wie heuer war der Druck noch nie“, sagt Christian Löffler, Pächter der nahegelegenen Peeralm. Auch dort wurde ein Angriff registriert – trotz aufwendiger Schutzmaßnahmen. „Es war die Feuerprobe für unseren Zaun – und die hat er nicht bestanden.“ Wie der Wolf das Hindernis überwinden konnte, ist unklar. Bereits im Juli und Anfang August kam es zu ähnlichen Vorfällen im Tal. Die Landesregierung Tirol reagierte mit einer Abschussverordnung für den Wolf. Doch bislang blieb die Jagd erfolglos. „Das ist unglaublich schwierig – schwerer als Rotwild zu jagen“, erklärt Lukas Peer, Bürgermeister von Navis. Die Jäger hätten berichtet, dass der Wolf menschliche Nähe kilometerweit wahrnehme und sich äußerst vorsichtig bewege – vor allem, wenn das Weidevieh bereits im Tal ist.

19 Abschussverordnungen – nur fünf erfüllt

Im heurigen Almsommer wurden in Tirol bereits 19 Abschussverordnungen gegen Wölfe erlassen – fünf davon konnten umgesetzt werden. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 waren es 14 Verordnungen, von denen nur zwei erfüllt wurden. Aktuell sind noch elf Abschussverordnungen aktiv: fünf im Tiroler Unterland, drei in Osttirol, zwei im Bezirk Innsbruck-Land und eine im Bezirk Landeck. Landesjägermeister Anton Larcher verteidigt die Jägerschaft: „Jäger können nur entnehmen, was sie auch tatsächlich sehen. Dafür braucht es Spezialausrüstung wie Nachtsichtgeräte und Wärmebildkameras.“

Bauern fordern ganzjährige Jagd

Für die Bauern im Navistal ist das jedoch kein ausreichender Trost. Viele haben das Vertrauen in den Herdenschutz verloren und sprechen sich nun für eine ganzjährige Bejagung des Wolfs aus. Derzeit ist eine Entnahme nur über spezielle Abschussverordnungen möglich – und nur bei eindeutigem Schad- oder Risikoverhalten. Doch der Ruf nach einer dauerhaften Regelung wird lauter. Immer mehr Landwirte fordern, Beutegreifer wie Wolf und Bär grundsätzlich und das ganze Jahr über bejagen zu dürfen.

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