Unser heimisches Schalenwild (mit Ausnahme von Schwarzwild) gehört zur Gruppe der Wiederkäuer. Wiederkäuer haben eine spezielle Art der Verdauung, die es ihnen ermöglicht, pflanzliche Nahrung effizient zu verwerten. Die vier Mägen und die darin stattfindende Fermentation und Aufschlüsselung der pflanzlichen Nahrung sind ein komplexer Prozess.
Das Rehwild ist ein Selektivfresser, das Rotwild ein Mischfresser. Die natürliche Nahrung dieser beiden Wildarten besteht aus Früchten, Knospen, Blättern, Trieben und jungen Gräsern. Der Rohfaseranteil der Nahrung ist entscheidend für die Aktivität der Mikroorganismen im Pansen und für die Verdauung. Zudem liefert sie wichtige Mikronährstoffe wie Mineralstoffe und Ballaststoffe, die das Immunsystem stärken und als Säureregulator wirken. Diese Zusammensetzung sollte auch im Winter durch hochwertiges Heu oder Grummet sichergestellt werden.
Kraftfutter für Wildtiere
Kraftfutter wie Getreide oder Pellets wird oftmals als Ergänzung genutzt. Durch die schnelle Umsetzung im Körper ist es eine Quelle an Energie, Vitaminen und Mineralstoffen, welche die Tiere in Stresssituationen oder während der Setzzeit auch benötigen können. Aber Vorsicht bei einer zu hohen Menge an Kraftfutter und zu wenig bis gar keiner Rohfaser: Diese Kombination kann zu Pansenazidose führen, einer Übersäuerung des Verdauungstraktes, die im schlimmsten Fall dazu führt, dass das Tier verendet.
Trester als Wildfutter
Trester, ein Nebenprodukt der Saft- oder Weinproduktion, ist reich an Ballast- und Mineralstoffen, Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und Zucker und wird gerne als natürliche und artgerechte Energiequelle genutzt. Trotz seiner Vorteile sollte Sie auch Trester nur in Maßen und als Zusatz an Reh- und Rotwild verfüttern, da der hohe und konzentrierte Zuckeranteil ebenfalls eine Übersäuerung des Pansens begünstigen kann.
Wildfütterungen regelmäßig kontrollieren
Wildfütterungen wollen auch betreut werden. Nicht nur eine regelmäßige Reinigung ist unerlässlich, sondern auch eine kontinuierliche Fütterung. Je nach Tierart und Witterungsverhältnissen bedeutet dies eine tägliche, zumindest aber regelmäßige Futtervorlage. Rotwild füttert man ab Schluss der Schneedecke (natürlich innerhalb der im Gesetzestext vorgegebenen Fütterungszeiten) täglich zur gleichen Zeit, um Schäden an Wild und Wald zu vermeiden.
Bei Rehwild, das im Normalfall in wesentlich kleinere Gebiete zusammengefasst wird, kann je nach Witterungs- und Fütterungslage ein zwei- bis dreitägiger Takt eingeführt werden, den man mit zunehmender Schneehöhe verkürzt. Wichtig hierbei ist, genau zu beobachten, wie viel Futter angenommen wird – es soll immer bis zum nächsten Fütterungszeitpunkt ausreichend Futter vorhanden sein. Ein „Ausschleichen“ des Futters können Sie in Betracht ziehen, sobald natürliche Äsung wieder in ausreichendem Maße zur Verfügung steht.
Keinesfalls sollte ein abrupter Futterwechsel vorgenommen werden oder gar Futternotstand herrschen. Für ausreichend Futtervorräte für den Winter und vor allem eine saubere und witterungsbeständige Lagerung sollten Sie schon im Vorfeld sorgen.
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