AckerbauKommentar: Wozu, Herr Fischler?

Kommentar: Wozu, Herr Fischler?

Erschienen in: LANDWIRT 20/2025

Er galt als die graue Eminenz in der österreichischen Agrarpolitik. Auch lange nach seiner aktiven Zeit als österreichischer Landwirtschaftsminister und EU-Agrarkommissar blieb Franz Fischler ein gefragter „Experte“. So auch in der TV-Sendung „Erlebnis Österreich“ unter dem Titel „Landwirtschaft neu gedacht“, hier nachzusehen auf on.orf.at

Spätestens dabei büßte er wohl viel von seinem Ansehen ein. Denn in einem Ausschnitt gab er zum Besten, dass ein Ackerbauer, der 50 ha bewirtschaftet, rund 30 Tage im Jahr beschäftigt sei – „wenn ich großzügig rechne“, so Fischler. Und er schob die Frage nach, wie jemand, der nur 30 Tage im Jahr beschäftigt ist, den Anspruch erhebt, dass er ein durchschnittliches Einkommen bekommen soll.

Diese Aussagen sind in vielerlei Hinsicht verwerflich: Sie sind fachlich nicht korrekt. Sie schaden den Bauern insgesamt und enorm. Und obendrein konnte Fischler sie unwidersprochen vor einem großen TV- und Internet-Publikum verbreiten, das diese Zahlen mangels eigenem Fachwissen für bare Münze betrachtet. Klar ist, dass ein reiner Ackerbaubetrieb in dieser Größenordnung keine Vollzeitstelle mehr bietet – aber sicher deutlich mehr Arbeit verursacht, als nur 30 Tage im Jahr.

Kritiker meinen, dass ausgerechnet Fischler daran nicht unbeteiligt sei – schließlich gestaltete er die europäische Agrarpolitik über viele Jahre entscheidend mit. Gerade diese hat ehemalige Vollerwerbsbetriebe mit 50 ha (und mehr) mangels eines ausreichenden Einkommens in den Nebenerwerb getrieben. Und die EU-Bürokratie beschert den Landwirten sogar mehr Arbeit.

Den Bauern, die ihre Landwirtschaft nun am Wochenende und in ihrem „Urlaub“ vom Nebenjob betreiben, mit falschen Zahlen vorzurechnen, dass sie wenig arbeiten, ist blanker Hohn. Gerade von jemandem wie Franz Fischler sollte man am wenigsten erwarten dürfen, dass er den Bauern in den Rücken fällt. Also: Wozu, Herr Fischler?

 

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