AckerbauGetreideGleichstandsaat bei Getreide

Gleichstandsaat bei Getreide

Erschienen in: LANDWIRT 18/2025

Die Landwirtschaft erwirtschaftet durch neue Technik immer höhere Erträge. Doch dieser Weg stößt zunehmend an seine Grenzen: Die Erträge steigen nur langsam, während die Anfälligkeiten gegenüber Wetterextremen, Krankheiten und Schädlingen stark zunehmen. Ein möglicher Grund dafür ist, dass die Anbauverfahren stärker an Maschinen angepasst werden als an die Bedürfnisse der Pflanzen. Optimale Verteilung Eine zentrale Fragestellung im modernen Getreideanbau ist die optimale Verteilung der Pflanzen auf dem Feld. Bisher wurde diesem Aspekt beim Getreide allerdings wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Getreideaussaat erfolgt in der Regel mit Drillmaschinen, bei denen das Saatgut zufällig im Boden verteilt wird. Das führt zu einer ungleichmäßigen Verteilung: Auf Pflanzennester folgen oft Lücken. Deutlich präziser arbeitet die Einzelkornsaat, bei der jedes einzelne Korn gezielt in einer Reihe abgelegt wird – ein Verfahren, das sich im Getreidebau bislang kaum durchgesetzt hat. Die konsequenteste Form der Standraumoptimierung stellt jedoch die Gleichstandsaat dar: Dabei werden die Pflanzen in einem regelmäßigen Raster ausgesät, sodass jede Einzelpflanze exakt denselben Abstand zu ihren Nachbarn hat – sowohl in der Reihe als auch zwischen den Reihen. Gleicher Platz für alle Der Vorteil dieser Methode liegt auf der Hand: Jede Pflanze erhält den gleichen ober- und unterirdischen Raum. Dadurch steht ihr ein maximales Maß an Licht, Wasser und Nährstoffen zur Verfügung. So gibt es weniger Konkurrenzdruck durch zu enge Nachbarn oder Wachstumsunterschiede durch Lücken, in denen sich Unkraut ausbreiten kann. Das verbessert nicht nur die Entwicklung der Einzelpflanze, sondern schafft auch gleichmäßigere Bestände mit potenziell höherer Stressresistenz gegen Wetterextreme. Erfolgreiche Versuche Seit 2018 untersucht das Julius-Kühn-Institut die Vorteile der Gleichstandsaat. Erste Versuche wurden manuell mithilfe einer Schablone durchgeführt. Ziel war es, zu prüfen, wie sich eine exakt gleichmäßige Verteilung der Pflanzen auf pflanzenbauliche Parameter und den Kornertrag auswirkt. Inzwischen wurde eine Versuchssämaschine entwickelt, mit der Winterweizen in einem regelmäßigen Dreiecksverband mit einer Saatstärke von 150 Körnern/m² ausgesät werden kann. Praxisversuche über mehrere Jahre zeigten: Auch mit deutlich geringerer Saatstärke von 150 Körnern/m² lassen sich vergleichbare oder sogar höhere Erträge erzielen als mit herkömmlicher Drillsaat bei 350 Körnern/m² – besonders unter Trockenstressbedingungen. Aktuell wird in Feldversuchen mit noch geringeren Aussaatstärken experimentiert, um herauszufinden, wie weit sich die Bestandsdichte reduzieren lässt, ohne Ertragseinbußen zu riskieren. In anderen Versuchen möchte man feststellen, ob Hybridweizen eine besondere Eignung für geringe Aussaatstärken bietet. Ein Problem für das System stellt die bisherige Züchtung dar, denn die bisher gezüchteten Getreidesorten sind für die Drillsaat ausgelegt und im Gleichstand zeigen sich oft unerwartete Eigenschaften wie beispielsweise extremes Breitenwachstum oder Veränderungen bei den Ertragskomponenten. Erfolge bei Hackfrüchten Bei Hackfrüchten wie Mais und Zuckerrüben, die einen höheren Pflanzabstand haben, ermöglicht moderne Einzelkornsaat bereits heute die Ablage von Saatkörnern in definierten Mustern. Systeme wie „GeoSeed Level 2“ machen es möglich, die Saat unabhängig von der Fahrtrichtung gleichmäßig zu verteilen. Dadurch eröffnen sich auch neue Optionen für Folgearbeiten: So können Erntemaschinen oder Hackgeräte quer oder diagonal zum Bestand fahren – das spart Fahrzeit, verbessert den Bodenschutz und erleichtert die mechanische Unkrautregulierung. Ein Beispiel für die Möglichkeiten im Gleichstandverband ist die im BLE-Projekt „OptiKult“ entwickelte Technik, wo bei der Zuckerrübensaat jede Pflanzenposition aufgezeichnet wird. Diese Daten bilden die Basis für nachfolgende Einzelpflanzenmaßnahmen – von der mechanischen Unkrautbekämpfung über das Monitoring bis hin zur teilflächenspezifischen Düngung oder gezielten Pflanzenschutzmaßnahmen. Für Kulturen mit größeren Pflanzabständen wie Zuckerrüben, Raps oder Mais ist diese Technik bereits umsetzbar. Für Getreide mit deutlich höheren Pflanzenzahlen je Hektar ist sie heute noch Zukunftsmusik – aber die Versuchsergebnisse lassen erwarten, dass die optimale Aussaatstärke von Winterweizen in Gleichstandsaat deutlich unter 150 Körnern/m² liegen könnte. Wie weit dieser Wert darunter liegt, ist Gegenstand aktueller Untersuchungen. Fazit Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Eine präzise Standraumverteilung bei der Saat kann den Ressourceneinsatz deutlich senken und Folgearbeiten erleichtern. Die Gleichstandsaat könnte somit ein zentraler Baustein für klimaangepasste Anbauverfahren sein
Quelle: Herrmann

Die Landwirtschaft erwirtschaftet durch neue Technik immer höhere Erträge. Doch dieser Weg stößt zunehmend an seine Grenzen: Die Erträge steigen nur langsam, während die Anfälligkeiten gegenüber Wetterextremen, Krankheiten und Schädlingen stark zunehmen. Ein möglicher Grund dafür ist, dass die Anbauverfahren stärker an Maschinen angepasst werden als an die Bedürfnisse der Pflanzen.

Was der Beitrag sonst noch enthält:

  • Optimale Verteilung
  • Gleicher Platz für alle
  • Erfolge bei Hackfrüchte

 

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