LANDWIRT: Das Kuratorium für Verkehrssicherheit macht sich für verstärkte Sicherheitsmaßnahmen bei der Waldarbeit stark. Steht das im Zusammenhang damit, dass die Anzahl der Forstunfälle zunimmt?
Trauner-Karner: Tatsächlich beobachten wir, dass die Zahl der tödlichen Forstunfälle in den letzten Jahren in Österreich sukzessive gestiegen ist, wobei es sich bei den Betroffenen um keine homogene Gruppe handelt. Selbstständige Forstbesitzer können ebenso betroffen sein, wie Beschäftigte in der Forstwirtschaft oder auch Privatpersonen. Junge Menschen sind ebenso betroffen, wie ältere, wobei der Anteil der über 60-Jährigen auffallend hoch ist. Das Durchschnittsalter liegt laut unserer Erhebungsmethode aufgrund von Medienbeobachtungen sogar bei 57 Jahren. Daher möchten wir insbesondere auch ältere und erfahrene Personen davor warnen, die Gefahren bei der Waldarbeit zu unterschätzen. Es ist insbesondere wichtig, Schutzausrüstung und Schutzbekleidung zu benutzen und nicht allein in den Wald zu gehen, damit im Notfall rasch Erste Hilfe geleistet und die Rettung verständigt werden kann.
Warum ist der Anteil der über 60-Jährigen unter den tödlich Verunfallten besonders hoch?
Erfahrung und jahrelange Praxis schützen leider nicht vor Unfällen. Es könnte im Gegenteil sogar so sein, dass man manchmal aufgrund von sehr viel Routine nachlässig wird, was Sicherheitsvorkehrungen betrifft, und gerade deshalb Unfälle passieren. Zudem ist kein Baum wie der andere, kein Hang wie der andere und kein Gelände wie das andere. Außerdem lassen im Alter die Kräfte und auch die Funktion der Sinnesorgane naturgemäß nach, wodurch Verletzungen leichter tödlich enden können.
Welche Situationen sind besonders gefährlich?
Tödliche Unfälle ereignen sich typischerweise in Situationen, in denen Bäume beim Fällen oder bei Aufräumarbeiten unerwartet kippen oder sich verkeilen. Häufig geraten Personen bei Arbeiten in steilem Gelände ins Rutschen oder werden von umfallenden Bäumen und abgebrochenen Ästen getroffen. Auch Arbeiten mit schweren Maschinen, wie etwa mit Traktoren, bergen Risiken – beispielsweise, wenn Fahrzeuge in unwegsamem Gelände ins Kippen geraten oder durch Spannungen beim Seilwindeneinsatz unkontrolliert bewegt werden. Solche Situationen zeigen, wie unberechenbar die Arbeit im Forstbereich sein kann und dass oft nur wenige Augenblicke über Leben und Tod entscheiden.
Welchen Stellenwert hat das Thema Sicherheit in forstlichen Ausbildungen?
Im Vergleich zu anderen Ländern hat die forstliche Ausbildung in Österreich ein vergleichsweise hohes Niveau, aber jeder einzelne Unfall ist einer zu viel, und der Anstieg der tödlichen Forstunfälle zeigt uns, dass Handlungsbedarf besteht. Wichtig ist zudem nicht nur eine gute Ausbildung, sondern auch regelmäßige Weiterbildungen und vor allem permanente Achtsamkeit der Betroffenen.
Wie kann es gelingen, die Forstarbeit sicherer zu machen?
Es gibt einige Organisationen, die Interesse daran haben, dass das Arbeiten im Wald sicherer wird, und die das mit gezielter Aufklärungsarbeit unterstützen wollen. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) hat beispielsweise gemeinsam mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und in Kooperation mit der Plattform Forst Holz Papier (FHP) sowie mit dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) eine Broschüre für das sichere Arbeiten beim Fällen von Bäumen herausgegeben.
Zurück zur ersten Frage. Welche konkreten Sicherheitsmaßnahmen schlagen Sie vor?
Uns geht es primär darum, zu sensibilisieren und nicht belehrend zu wirken. Jeder, der beruflich in der Waldarbeit tätig ist, weiß selbst sehr genau, wie anstrengend die Arbeit sein kann und wie wichtig eine gute Ausbildung und Erfahrung sind. Letztlich dient es primär dem eigenen Schutz, wenn man nicht alleine in den Wald geht, gut gewartetes Werkzeug verwendet und beim Fällen eines Baumes mindestens eineinhalb Baumlängen Sicherheitsabstand zu den Kolleginnen und Kollegen einhält. Für viele ist das alles eine Selbstverständlichkeit und trotzdem passieren leider immer wieder schwere oder sogar tödliche Unfälle.
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