LANDWIRT: Herr Waltl, ist es realistisch, dass wir in Mitteleuropa künftig selbst Südfrüchte wie Oliven oder Feigen anbauen?
Karl Waltl: Eigentlich geht es bei diesen Kulturen erst einmal darum, einen Nischen[1]markt für regionale Ware zu entwickeln. Bei Oliven wäre es dafür wichtig, einen stabilen Ertrag zu schaffen. Niemand kann uns aber beantworten, was die Klimaerwärmung wirklich bringt. Bekommen wir eine Witterung wie im Friaul, mit mehr Regen, oder werden es wärmere und trockenere Verläufe mit mehr Verdunstung? Nasswarme Bedingungen fördern Pilz- und Bakterienkrankheiten, die wiederum Pflanzenschutzmittel benötigen. In solchen Zonen werden sich Exoten im großen Stil kaum entwickeln können.
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Wer wagt sich derzeit an den Anbau von Exoten?
Derzeit sind es vor allem Quer- oder Neueinsteiger, die sich für Exoten interessieren, und nur wenige klassische Obstbauern. Manche haben zum Beispiel Flächen vom Großvater geerbt. In Kleinstanlagen experimentieren sie dann mit südländischen Arten wie Feigen oder Kaki. Ein mir bekannter Betrieb hat beispielsweise 300 Kakibäume für den eigenen Hofladen gepflanzt. Es gibt bereits ein paar überzeugte Visionäre, die Feigen für den Handel produzieren. Aber der Schritt vom Hobby zum professionellen Anbau ist groß.
Reicht denn die produzierte Menge für den Handel?
Hier stoßen viele an Grenzen. Handelsketten wollen ein verlässliches Angebot. Bei allen Nischenprodukten braucht es zudem ein großes Wohlwollen ihrerseits. Früher waren wir glücklich, überhaupt einen Merkur mit Bio-Äpfeln zu beliefern – für den Direktverkauf hatten wir zu viele, für den Großhandel zu wenige. Ähnlich ist es jetzt mit Exoten: Manche möchten mit regionalen Feigen auch Greenwashing betreiben. Die Ketten fordern aber stets höchste Standards und Zertifizierungen. Was erwartet Bauern, wenn sie exotische Früchte anbauen? Die Pflanzenphysiologie unterscheidet sich nicht dramatisch zwischen den Kulturen. Aber natürlich dauert es, bis man Anbauerfahrung sammelt. Da bedarf es einer Leidenschaft, sich mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen. Habe ich die richtige Durchschnittstemperatur, passt die Vegetationszeit, die Anzahl der Sonnenstunden? Wie gut kann ich mikroklimatische Standortbedingungen einschätzen? Man muss hier auch unterscheiden, auf welchem Niveau produziert wird. Viele gehen mit einer Illusion an die Dinge heran.
Lesen Sie weiters in diesem Interview:
- Das erwartet Bauern, wenn sie exotische Früchte anbauen.
- Welche Kulturen sind vielversprechend?
- Reicht die produzierte Menge für den Handel?
- uvm.
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