Mit 142.000 t liegt die erwartete Erntemenge der steirischen Apfelbauern doppelt so hoch als im Vorjahr. Auch die Qualität dürfte ein Spitzenniveau erreichen. Der wirtschaftliche Druck trifft die Apfelbranche dennoch mit voller Wucht. In den vergangenen zehn Jahren gab es nur drei Normalernten in der Steiermark. Ein steigender Schädlingsdruck, weniger verfügbare Pflanzenschutzmittel und hohe Lohn- und Betriebskosten kommen noch hinzu. Die Folge: Seit 2015 ist die steirische Apfelanbaufläche um rund 1.500 ha auf 4.750 ha gesunken. Jeder fünfte Betrieb stellte die Produktion ein.
Ein neues Maßnahmenbündel soll eine Entlastung für die Betriebe bringen. Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Maria Pein hob bei der Pressekonferenz in Graz vier wesentliche Punkte des Bündels hervor:
- Fortführung der Investitionsunterstützungen für Forstschutz-Beregnung, Speicherbecken und Kühlung – nach wie vor bedrohen Spätfröste, extreme Hitze und langanhaltende Dürren die Ernte
- Besseres Pflanzenschutzmittelangebot in Österreich: Begünstigt durch den Klimawandel breiten sich immer mehr eingeschleppte invasive Schädlinge wie die Kirschessigfliege, Wanzen oder Zikaden aus. Aufgrund des eingeschränkten Pflanzenschutzmittelangebots in Österreich – im Vergleich zu anderen EU-Ländern – richten diese zunehmend erhebliche Schäden bei der Ernte an.
- Senkung der Lohnnebenkosten: Österreich liegt bei den Lohnnebenkosten für Saisonarbeitskräfte europaweit an der Spitze. In Deutschland fällt bei gleichem Bruttolohn mehr Netto an. Dieses deutsche Modell brauchen auch die steirischen Obstbauern.
- Leistbare Frostversicherung für die Apfelbauern. Das bisherige Modell der öffentlichen Unterstützung durch Bund und Land muss erhalten bleiben.
Zusätzlich zu den Maßnahmen stellen sich immer mehr Betriebe breiter auf und suchen selbst nach innovativen Lösungen. „Viele unserer 900 Betriebe setzen auf mehrere Standbeine – von Säften, Mosten und Bränden bis zum Direktverkauf – und investieren gleichzeitig in Frostberegnung, Bewässerung und neue Sorten wie Kanzi, Evelina oder Sweetango. So sichern sie die Vielfalt, Qualität und Zukunftsfähigkeit ihres Betriebs.“, ist sich Obmann Manfred Kohlfürst sicher.
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