LandtechnikAgritechnicaDer neue Fastrac 6300 von JCB im Fahrbericht

Der neue Fastrac 6300 von JCB im Fahrbericht

Erschienen in: LANDWIRT 20/2025

Das moderne Design des neuen Fastrac 6000 wirkt kantiger, erkennbar an der Motorhaube und den Scheinwerfern.
Quelle: Weninger

JCB feiert 2025 sein 80-jähriges Firmenjubiläum und komplettiert pünktlich dazu sein Traktoren-Programm mit zwei Modellen der neuen Fastrac-Serie 6000: dem Fastrac 6260 mit 284 PS (212 kW) und dem 6300 mit 335 PS (250 kW), deren Entwicklung vor fünf Jahren begann. Während JCB bei den Serien 4000 (bis 235 PS) und 8000 (bis 348 PS) Motoren von AGCO Power verbaut, kommt im neuen 6000er der 6,7 Liter große Sechszylindermotor NEF67 von FPT zum Einsatz. Die Briten begründen den Herstellerwechsel mit den für diese Leistungsklasse besser passenden Abmessungen für das schmal gehaltene Chassis. Das maximale Drehmoment geben sie mit 1.275 bzw. 1.400 Nm an. Das Intervall für den Ölwechsel beträgt nun 1.000 Stunden. Serienmäßig verbaut ist eine Motorstaubremse. Auf Wunsch ist ein Umkehrlüfter erhältlich. Die Abgasnachbehandlung ist rechts unten platziert. Der Tank für Kraftstoff fasst 475 l, jener für AdBlue 70 l.

Neue Zulieferer für Motor und Getriebe: FPT und ZF

Auch beim Getriebe geht JCB neue Wege und wechselt den Zulieferer. Bei den bisherigen Fastrac-Serien sind die stufenlosen Fendt-Getriebe ML180 bzw. ML260 verbaut (beide mit zwei Fahrbereichen). Im Fastrac 6000 verrichtet dagegen das Stufenlosgetriebe Eccom 3.1 von ZF seinen Dienst. Das Getriebe mit vier Fahrbereichen ermöglicht – wo gesetzlich zulässig – eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 66 km/h. Bei 40 km/h läuft der Motor mit nur 1.275 U/min. Zur Serienausstattung gehören die integrierte Parkbremse und ein aktiver Stillstand.

Das neue Chassis besteht aus einem leicht taillierten Gussvorderrahmen, der den Motor, die Vorderachse, das optionale Fronthubwerk samt Zapfwelle und allenfalls eine Frontladerkonsole trägt. Der Vorderrahmen ist mit einem geschweißten Hinterrahmen verbunden, auf dem die Kabine, das Getriebe, die Hinterachse, das Hubwerk sowie die Hydraulik und die Zapfwelle montiert sind. Während im Fastrac 4000 JCB-eigene Achsen zum Einsatz kommen, sind es im neuen 6000er (wie im 8000er) Achsen von Dana. Die Reifenauswahl ist größer geworden, die maximale Reifengröße ist mit VF 710/55 R 38 angegeben.

Motor und Getriebe sind nicht mehr von AGCO: Die Motoren für den 6000er bezieht JCB von FPT. Auch beim Getriebe setzt man mit ZF auf einen neuen Zulieferer.
Quelle: Weninger

Starke Hydraulik

Das Hydrauliksystem ist getrennt vom Getriebeöl-Haushalt. Die Hydraulikpumpe liefert standardmäßig 205 l/min. Im größeren Fastrac 6300 ist auf Wunsch eine zweite Pumpe erhältlich – zusammen sind dann bis zu 410 l/min abrufbar. Pro Steuergerät, die JCB von Bosch bezieht, ist ein maximaler Durchfluss von 170 l/min möglich. Je ein Entlastungshebel erleichtert das Ankuppeln an beiden Anschlüssen jedes Steuergeräts – die es übrigens wahlweise auch in der Größe 3/4 Zoll gibt. Vorne sind zwei Steuergeräte möglich, hinten bis zu sechs – in Summe maximal sieben (sechs bei Ausstattung mit zwei Hydraulikpumpen).

Das Heckhubwerk stemmt bis zu 11 t, vorne sind es maximal 5 t (statt bisher 3,5 t). Das ZF-Getriebe bietet im Heck vier Zapfwellengeschwindigkeiten. In der Front ist eine 1.000er Zapfwelle mit Wechselstummel zu haben. Ein optionaler Rahmen hinter der Kabine trägt bis zu 5 t – hier ist der Aufbau von Tanks oder einem 900 kg schweren Ballastgewicht möglich, das sich um zusätzliche 700 kg erweitern lässt.

Das Eigengewicht eines Fastrac 6000 mit Fronthubwerk und Zapfwelle beziffert JCB mit rund 11,5 t. Damit ist er etwa 3,5 t schwerer als ein 4000er und fast auf dem Niveau der 8000er Serie. Auch das zulässige Gesamtgewicht von 18 t ist ident mit jenem der großen Serie. Der Radstand von 3,18 m ist sogar um 5 cm länger als beim Fastrac 8000.

Im Heck fallen nicht nur die neuen Steuergeräte von Bosch mit den Entlastungshebeln auf. Oben im Bild erkennbar ist der optionale Ballast mit 900 + 700 kg.
Quelle: Weninger

Integrierte Reifendruckanlage ab Werk

Neu in der Optionenliste ist eine ab Werk komplett integrierte und patentierte Reifendruck-Einstellanlage als Einleiter-System. Die Luftleitungen führen durch die Achsen und über Drehdurchführungen zu den Rädern. Zwei per Keilriemen angetriebene Kompressoren liefern bis zu 600 l/min. Die angesaugte Luft wird sogar gekühlt und gefiltert. Vier Reifen der Dimension 650/60 R38 sind so in gut vier Minuten von 1 auf 2 bar aufgepumpt. Das Ablassen ist sogar in weniger als einer Minute erledigt – die Luft gelangt übrigens direkt am Reifenventil ins Freie, statt zurück ins System. Bedient wird das System über das iCON-Display.

Optimiertes ABS-Bremssystem mit Scheiben

JCB hat das Trac-typisch ohnehin schon gute Fahrverhalten weiter optimiert. So arbeitet die hydropneumatische, selbstnivellierende Federung an Vorder- und Hinterachse doppeltwirkend. Steigt in der Hinterachs-Federung der Druck durch ein angehobenes Anbaugerät, wird die rund 1.000 kg schwere Vorderachse automatisch „angehoben“ – was den Effekt hat, dass sich der Vorderwagen absenkt. Im Leerzustand lasten rund 45 % des Gewichts auf der Hinterachse und 55 % auf der Vorderachse. Der Federweg beträgt 170 mm, pro Rad sind zwei Stickstoffspeicher verbaut.

Neu konzipiert hat JCB außerdem die schon bisher bekannte und serienmäßige Bremsanlage mit Scheibenbremsen und ABS-System. Pro Rad wird nur mehr ein größerer Bremssattel des Herstellers Knott mit vier Kolben (statt zwei Sättel mit je zwei Kolben) verbaut. Das soll ungleichmäßigen Verschleiß reduzieren. Die Bremskraft und somit die Verzögerung sind laut JCB gestiegen. Die Bremsscheiben lassen sich jetzt ohne Demontage der Nabe wechseln – ähnlich wie bei einem PKW. Ein kompletter Tausch der Scheiben und Bremsbelägen an allen vier Rädern soll laut JCB in nur drei bis vier Stunden möglich sein. Neu ist zudem eine elektronische Verschleißanzeige für die Bremsbeläge.

Die Bremsanlage und die Federung hat JCB im Fastrac 6000 deutlich optimiert.
Quelle: Weninger

Ausgeklügelte Allradlenkung

Serienmäßig – und angesichts der großen Reifen auch nötig – ist die weiterentwickelte Allradlenkung mit fünf Modi: Vorderrad, proportionale (geschwindigkeitsabhängige) oder spurtreue Allradlenkung, Hinterrad oder Hundegang. Sie bietet ein hydraulisches Sperren für sanfte Übergänge und ein automatisches Umschalten auf Zweiradlenkung bei Straßenfahrt.

Das optionale Twin Steer System mit zwei werkseitig integrierten GNSS-Antennen steuert die Vorder- und die Hinterachse unabhängig voneinander. Dadurch wird das automatische Lenken im Hundegang verbessert und Anbaugeräte bleiben auch am Seitenhang exakter in der Spur. Die beiden NovAtel-Antennen sitzen diebstahlgeschützt(er) unter der Dachverkleidung.

Bedienkonzept iCON weiterentwickelt

Die Trac-typisch breite Kabine mit zwei Sitzen hat nun eine nach vorne geneigte Frontscheibe. Unter dem Beifahrersitz ist auf Wunsch ein Kühlfach platziert. Außerdem gibt es optional ein Audiopaket mit leistungsfähigen Lautsprechern und einem Subwoofer. Während Arbeitspausen lässt sich der Motor manuell mittels Start-/Stopptaste oder automatisch abstellen, um Treibstoff zu sparen. Die Stromversorgung für die Bordelektronik (Spurführung, Gerätesteuerung, etc.) bleibt dabei eingeschaltet, um die Systeme aktiv zu halten.

Das erstmals im Fastrac 4000 vorgestellte Bedienkonzept iCON hat JCB für die neue Serie 6000 überarbeitet. Es bietet nun konfigurierbare Touchscreen-Displays, optional einen zweiten, 12 Zoll großen und individuell positionierbaren Monitor, Telematik, ISOBUS (mit Dosen vorne und hinten, Section Control und Variable Rate Control) sowie ein selbst entwickeltes GNSS-Paket ab Werk.

Die von den Fastracs 4000 und 8000 bekannte iCON-Bedienung hat JCB für die Serie 6000 weiterentwickelt.
Quelle: Weninger

Verschiedene LED-Beleuchtungspakete ermöglichen maximal 48.000 Lumen und bis zu 360 Grad Ausleuchtung. Serienmäßig ist eine auf die Anhängerkupplung gerichtete Heckkamera, auf Wunsch sind eine Front-Fisheye- und eine weitere Heckkamera möglich. Die Bildanzeige erfolgt auf dem iCON-Display.

Bleiben noch Detailverbesserungen für die Wartung: Unter der linken Tür sitzen der Messstab für Getriebeöl und ein Druckluftanschluss. Hinter dem rechten Aufstieg befindet sich ein Staufach für den Zapfwellenstummel, Kugeln, das Zugpendel und einen Werkzeugkasten. Rechts neben der Kabine sind ein Schauglas und der Einfüllstutzen für das Hydrauliköl platziert.

Die Produktion der beiden neuen Fastrac-Modelle soll im Januar 2026 anlaufen. Die Listenpreise sollen zur Agritechnica feststehen.

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