LandtechnikAgritechnicaHorsch stellt ersten eigenen Rückewagen Pirk 20 MP vor

Horsch stellt ersten eigenen Rückewagen Pirk 20 MP vor

Erschienen in: LANDWIRT 16/2025

Mit dem neuen Rückewagen Pirk 20 MP will Horsch im Profi-Segment der Forsttechnik Fuß fassen.
Quelle: Weninger

Der Rückewagen Pirk 20 MP ist das erste Ergebnis aus dem für Horsch neuen Produktsegment. Seine Premiere feierte er übrigens schon 2022 unter der Marke Gepima auf der Fachmesse Interforst in München. Gepima stand für Gebrüder Pirkenseer Maschinenbau. Das Unternehmen ist heute in die Horsch-Gruppe eingegliedert – die Sparte heißt nun Horsch Pirk Forestry GmbH (siehe Kasten).

Wie bei seiner Ackerbautechnik üblich, steigt Horsch zuerst mit größeren Maschinen ein und bringt später kleinere Modelle. So entspricht der Pirk 20 MP der 20 t Klasse – dank zweimal 8 t Achlsast und 4 t Stützlast. Daneben ist der Wagen auch als weitgehend identer 16-Tonner erhältlich.

Maximale Sicht

Der neue Wagen sollte nicht ein weiterer, x-beliebiger Wagen sein, sondern durch Alleinstellungsmerkmale beim Anwender punkten. Besonderes Augenmerk legten die Entwickler vor allem auf eine bestmögliche Sicht vom Zugfahrzeug auf das Arbeitsumfeld. Vorgespannt sollte laut Horsch ungefähr ein 200 PS starker Sechszylinder sein – um den Wagen entsprechend bewegen zu können – und dieser sollte zumindest mit einem Drehsitz oder gar einer Rückfahreinrichtung ausgestattet sein. Die Sicht durch das Stirngitter ist nicht durch Baugruppen wie etwa den Öltank (hinter der Kransäule), den beiden Werkzeugkästen (unter der Ladefläche) oder einer Halterung für die Motorsäge (diese wird im Werkzeugkasten verstaut) eingeschränkt.

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Dann bestellen Sie jetzt ein kostenloses & unverbindliches Probeheft!

Lenk- und Knickdeichsel

Wohl am meisten Entwicklungszeit ist in die Deichsel des Wagens geflossen. Denn diese ist an drei Punkten aufgehängt und dank zweier Hydraulikzylinder als Lenk- und Knick-Deichsel ausgeführt. Sie kann über zwei doppeltwirkende Traktorsteuergeräte proportional in alle Richtungen ausschwenken. So ist der Wagen seitlich um bis zu 104 cm verschwenkbar (+/-33° Lenkwinkel), was beim Manövrieren durch enge Passagen im Wald hilfreich ist. Außerdem lässt sich die Deichsel um 40 cm ausheben bzw. absenken. Ganz abgesenkt sind die Zylinder komplett eingefahren. Dadurch ergibt sich eine geringere Durchfahrtshöhe. Zudem ist die Deichsel für Straßenfahrten automatisch mittig zentriert und gesichert – eine separate Transportsperre ist somit nicht nötig. Im Wald ermöglicht die abgesenkte Stellung eine bessere Sicht beim Laden. Umgekehrt erlaubt die ausgefahrene Deichsel eine deutlich größere Bodenfreiheit, etwa beim Fahren über Baumstümpfe.

Die ganz eingefahrene Deichsel ermöglicht eine maximale Sicht beim Laden und eine geringe Gesamthöhe auf der Straße…
Quelle: Weninger
…während die ganz ausgehobene Deichsel für eine maximale Bodenfreiheit bzw. Abstützbreite der A-Stützen sorgt.
Quelle: Weninger

Hydraulischer Fahrantrieb

Beim Tandemfahrwerk des Rückewagens bietet Horsch dem Kunden mehrere Auswahlmöglichkeiten: So lassen sich entweder die vordere, die hintere oder beide Achsen hydraulisch antreiben. Ausgeklügelt ist dabei auch die Abstimmung mit dem Zugfahrzeug: Von diesem werden per Isobus die Fahrtrichtung und die Geschwindigkeit an den Rückewagen gemeldet. Der Fahrer kann einstellen, ob der Antrieb synchron zum Traktor läuft oder eine definierte Vor- oder Rückeilung aufweist, um den Traktor anzuschieben oder zu bremsen. Um die dafür nötige Leistung zu erbringen, ist der Pirk 20 MP mit einer Load-Sensing-Hydraulikanlage mit 350 bar ausgestattet. Für die Kran-Hydraulik ist der Druck entsprechend begrenzt. Zurück zum Boogie-Fahrwerk: Dieses kann um rund 20° pendeln. Sämtliche Komponenten der Hydraulik- und Bremsanlage sind geschützt hinter abnehmbaren Stahlverkleidungen versteckt. Der Wagen kommt übrigens mit 40 km/h Zulassung und 710er Breitreifen.

Das Heck des Zentralrohrrahmens lässt sich (samt Leuchtenträger mit dickem Plexiglas) hydraulisch um ca. 1,20 m ausschieben. So ist die 4,20 m lange Ladefläche auf 5,40 m verlängert und für bis zu 6 m lange Stämme geeignet.

Kran zugekauft

Der von uns im Einsatz besichtigte Pirk 20 MP war mit einem L-Kran des italienischen Herstellers Icarbazzoli ausgestattet. Das Modell IB 9800 10.0 bietet eine Reichweite von 9,8 m und eine Hubkraft von 750 kg bei 9 m Ausladung. Der kleinere Pirk 16 MP wird mit einem entsprechend kleineren Kran bestückt. Alternativ sind auch Kräne von Palfinger möglich. Horsch hebt den langen Hubarm und den deshalb kürzeren Teleskoparm hervor. Dadurch kann der Kran auch bei vollem Wagen die Stämme ganz vorne am Stirngitter greifen.

Bei der Abstützung haben sich die Entwickler für A-Stützen entschieden. Diese brauchen weniger Platz. Die geringere Stützbreite lässt sich durch Anheben der Deichsel vergrößern. Die Außenrohre sind ins Stirngitter integriert und somit kein zusätzliches Teil, das die Sicht stören könnte. Bei den Rungen testet Horsch noch runde und rechteckige Rohre. Die beiden Wagen unterscheiden sich übrigens bei der Höhe der Rungen und des Stirngitters – was eben Unterschiede im Ladevolumen und Gesamtgewicht bedeutet – während Deichsel und Rahmen ident sind.

Der Horsch Pirk 20 MP kostet in der hier beschriebenen Ausstattung 142.220 Euro, der gleich ausgestattete aber kleinere Pirk 16 MP kommt auf einen Listenpreis von 128.020 Euro (Preise ohne Steuer). Den neuen Horsch-Rückewagen gibt es auch als Solo-Maschine ohne Kran (mit dem Zusatz „S“ im Modellnamen. Des Weiteren sind optionale Ausstattungen wie eine Kranwinde, eine Funkfernsteuerung sowie eine Astwanne in voller Rungenhöhe oder mit rund 20 cm hohen Seitenwänden erhältlich. Mehr zu diesem Rückewagen (damals noch unter der Marke Gepima) lesen Sie hier.

Muldenkipper mit gleichem Chassis

Das Chassis des Rückewagens (mit Lenk-Knick-Deichsel) haben die Forsttechnik-Spezialisten bei Horsch übrigens auch für den Bau eines Muldenkippers verwendet. Der Pirk TM (für Transportmulde) ist vor allem für den Transport von Astmaterial oder für Baumfällungen gedacht, speziell mit einem Fällgreifer am Forsttraktor als Zugfahrzeug. Die pendelbare Rückwand lässt sich ohne absteigen zu müssen mit dem Kran abnehmen.

Horsch plant sogar eigene Harvester

Es klang in diesem Frühjahr wie ein verspäteter April-Scherz, war aber definitiv keiner: Horsch steigt durch die Übernahme der Firma Gepima in die Forsttechnik ein. Diese haben zwei Mitarbeiter von Horsch gegründet. Die neu entstandene Sparte heißt nun Horsch Pirk Forestry GmbH. Sie wird geleitet von den Brüdern und Gründern Markus und Michael Pirkenseer und dem Finanzprofi Reinhold Rösel. Horsch legt Wert darauf, nicht noch ein weiterer, x-beliebiger Forsttechnik-Hersteller zu werden. Vielmehr sollen die neuen Forstmaschinen über Alleinstellungsmerkmale verfügen und dadurch speziell Profi-Anwender ansprechen, wie etwa größere Forstbetriebe, Lohnunternehmer, Maschinenringe oder Kommunen.

Bei der Präsentation des hier beschriebenen Rückewagens teilte Horsch mit, in den kommenden Jahren eine Reihe weiterer Forstmaschinen auf den Markt zu bringen. Darunter Rückewagen bis 8 t herunter, Greifer, Forstraupen und schließlich bis 2035 sogar selbst entwickelte Forwarder und Harvester. Denn Horsch hat offenbar das globale Forst-Business im Fokus: So beziffert das Unternehmen das weltweite Marktvolumen für Forwarder und Harvester mit rund 10 Mrd. Euro. Besonders in Brasilien und Nordamerika erhoffen sich die Schwandorfer großes Potenzial und entsprechende Marktanteile. In diesen Regionen sind sie nämlich bereits mit eigenen Standorten für Produktion, Vertrieb und Service vertreten.

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Dann bestellen Sie jetzt ein kostenloses & unverbindliches Probeheft!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Warenkorb

Der Warenkorb ist leer.
Gesamt: 0,00